Die Ukulele nach Gehör zu stimmen gehört zu den nützlichsten Fähigkeiten, die man sich als Spieler aneignen kann. Es schult das musikalische Gehör, es hält das Instrument richtig, wenn kein Stimmgerät zur Hand ist, und gerade bei der Ukulele rettet es einen ständig: Nylonsaiten verstimmen sich weit schneller als Stahlsaiten. In dieser Anleitung stellen wir zwei verlässliche Methoden vor, um eine Ukulele in Standardstimmung (G4, C4, E4, A4) zu stimmen: die Technik mit gegriffenen Tönen und natürliche Flageoletts. Außerdem sehen wir uns an, was sich bei einem Instrument mit tiefer G-Saite ändert, denn diese eine Saite stellt das gesamte Vorgehen um.

In der Standardstimmung der Ukulele bei A4 = 440 Hz sind die vier Saiten auf folgende Töne und Frequenzen eingestellt:
4. Saite: G4 (392.00 Hz)
3. Saite: C4 (261.63 Hz)
2. Saite: E4 (329.63 Hz)
1. Saite: A4 (440.00 Hz)
Lesen Sie diese Frequenzen noch einmal, dann fällt etwas Ungewöhnliches auf. Die 4. Saite — die dem Gesicht am nächsten liegt, wo eine Gitarre oder ein Bass den tiefsten Ton hätte — ist auf G4 gestimmt und damit höher als die 3. Saite (C4) und die 2. Saite (E4). Der tiefste Ton einer Standard-Ukulele liegt auf der 3. Saite, mitten im Instrument.
Man nennt das reentrante Stimmung, und sie ist die Quelle des hellen, klingelnden Ukuleleklangs, weil geschlagene Akkorde eben nicht ordentlich von tief nach hoch verlaufen. Daher stammt auch die alte englische Eselsbrücke: Schlagen Sie die leeren Saiten von der 4. zur 1. an, und Sie hören die Melodie von „My dog has fleas“. Wer diesen Satz singt, singt G–C–E–A.
Wenn Sie bereits Gitarre oder Bass nach Gehör stimmen, legen Sie diese Gewohnheiten kurz beiseite. Zwei Dinge lassen sich nicht übertragen.
Sie können nicht einfach von der dicksten zur dünnsten Saite arbeiten. Beim Bass liegt jede Saite eine reine Quarte über der vorherigen: Man stimmt die tiefste und arbeitet sich in eine Richtung vor. Bei der Ukulele durchbricht die reentrante 4. Saite diese Kette. Der verlässlichste Ausgangspunkt ist die 3. Saite (C) — der tatsächlich tiefste Ton — und die G-Saite hebt man sich am besten bis zum Schluss auf.
Die Intervalle sind nicht alle gleich. Ein Bass ist in gleichmäßigen Quarten gestimmt, weshalb der 5. Bund überall funktioniert. Bei der Ukulele ist das nicht so:
Wer sich nur „fünfter Bund“ merkt und das aufs ganze Instrument überträgt, landet deutlich neben der Stimmung. Jedes Saitenpaar hat seinen eigenen Bund, und die folgende Methode verwendet jeweils den richtigen.
Dies ist der zuverlässigste Weg, eine Ukulele nach Gehör zu stimmen. Sie legen eine Saite anhand eines Referenztons fest und nutzen dann auf jeder bereits gestimmten Saite einen gegriffenen Ton, um die nächste einzustellen. Spielen Sie den gegriffenen Ton und die leere Saite zusammen und achten Sie auf die langsame Schwebung zwischen beiden: Je näher sich die Tonhöhen kommen, desto langsamer wird sie, bis sie ganz verschwindet.
Schritt 1: Stimmen Sie die 3. Saite (C)
Beginnen Sie mit C4 (261,63 Hz) anhand eines Referenztons von einem elektronischen Stimmgerät oder einer App wie dem Ukulele-Stimmgerät von OnlineTuner.org. Das ist Ihr Fundament: Alles Weitere richtet sich danach, nehmen Sie sich also die Zeit, es exakt zu treffen.
Schritt 2: Stimmen Sie die 2. Saite (E)
Greifen Sie den 4. Bund der 3. Saite (C). Der Ton, den Sie hören, ist E4. Spielen Sie nun die leere 2. Saite (E) und drehen Sie deren Mechanik, bis die leere Saite dem gegriffenen Ton entspricht. Achten Sie genau auf den Bund: Hier liegt eine große Terz vor, keine Quarte — also der 4. und nicht der 5. Bund.
Schritt 3: Stimmen Sie die 1. Saite (A)
Greifen Sie den 5. Bund der 2. Saite (E), um A4 zu erzeugen. Spielen Sie die leere 1. Saite (A) und justieren Sie, bis beide Tonhöhen identisch sind. Dies ist die einzige Stelle auf der Ukulele, an der die bekannte Fünfter-Bund-Regel tatsächlich gilt.
Schritt 4: Stimmen Sie die 4. Saite (G)
Heben Sie sich die reentrante Saite bis zum Schluss auf und leiten Sie sie von einer bereits gestimmten Saite ab. Die bequemste Referenz ist der 3. Bund der 2. Saite (E), der G4 ergibt. Spielen Sie ihn gegen die leere 4. Saite (G) und gleichen Sie beide an. Wenn Sie lieber von Ihrer Fundamentsaite ausgehen: Der 7. Bund der 3. Saite (C) liefert dasselbe G4. Beide Wege sind richtig, und beide zu prüfen ist eine gute Möglichkeit zu bestätigen, dass der Rest Ihrer Stimmung sauber ist.
Natürliche Flageoletts klingen klar und glockenartig, ohne dass Fingerdruck den Ton nach oben zieht — kleine Tonhöhenunterschiede sind dadurch viel besser hörbar. Um eines zu erzeugen, legen Sie die Fingerkuppe leicht direkt über das Bundstäbchen, zupfen an und nehmen den Finger sofort weg.
Beachten Sie, dass Flageoletts auf einer Ukulele weniger ergiebig sind als auf einem Bass. Die kurze Mensur und die geringe Saitenspannung machen sie leiser und kürzer, arbeiten Sie also nah am Instrument und in einem ruhigen Raum. Vor allem aber führt die ungleichmäßige Intervallfolge dazu, dass die klassische Paarung aus 5. und 7. Bund nur an einer einzigen Stelle aufgeht.
Schritt 1: Stimmen Sie die 3. Saite (C)
Legen Sie wie zuvor zuerst C4 anhand eines Referenztons fest.
Schritt 2: Prüfen Sie die 1. Saite (A) gegen die 2. Saite (E)
Hier liegt die reine Quarte, also funktioniert die klassische Paarung. Lassen Sie das Flageolett am 5. Bund der 2. Saite (E) und jenes am 7. Bund der 1. Saite (A) erklingen. Beide klingen auf E6. Justieren Sie die A-Saite, bis die beiden Flageoletts vollkommen ruhig gegeneinander stehen.
Schritt 3: Prüfen Sie die 4. Saite (G) gegen die 3. Saite (C)
Lassen Sie das Flageolett am 7. Bund der 3. Saite (C) erklingen, das auf G5 liegt. Vergleichen Sie es mit dem Flageolett am 12. Bund der 4. Saite (G), das eine Oktave über der leeren Saite ebenfalls auf G5 klingt. Stimmen Sie die G-Saite, bis beide übereinstimmen.
Schritt 4: Stellen Sie die 2. Saite (E) mit einem gegriffenen Ton ein
Für eine große Terz gibt es keine saubere Flageolett-Paarung, deshalb muss die E-Saite weiterhin vom 4. Bund der C-Saite abgeleitet werden, wie in Methode 1 beschrieben. Nutzen Sie Flageoletts dort, wo sie wirklich zusammenpassen, und erzwingen Sie sie nicht anderswo — eine unpassende Paarung bringt Sie weiter von der Stimmung weg, nicht näher heran.
Das Flageolett am 12. Bund ist für sich genommen wissenswert. Es klingt exakt eine Oktave über der leeren Saite und eignet sich daher hervorragend, um eine Saite gegen sich selbst oder gegen einen eine Oktave entfernten Referenzton zu überprüfen.
Viele Spieler ziehen anstelle der reentranten Saite eine umsponnene tiefe G-Saite auf und stimmen die 4. Saite auf G3 (196,00 Hz) statt auf G4. Das ist eine volle Oktave tiefer und macht aus der Ukulele ein konventionelles Instrument, das von Saite zu Saite von tief nach hoch verläuft.
Wenn Sie so spielen, vereinfacht sich die Reihenfolge. G3 liegt eine reine Quarte unter C4, Sie können sich also von der 4. Saite aufwärts arbeiten wie auf einer Gitarre: Greifen Sie den 5. Bund der tiefen G-Saite, um C4 zu erhalten, und stimmen Sie die leere 3. Saite darauf. Fahren Sie anschließend mit den oben beschriebenen Schritten am 4. und 5. Bund für die E- und die A-Saite fort.
Alles Übrige aus dieser Anleitung gilt weiterhin, prüfen Sie aber vor dem Start, welche Saite tatsächlich aufgezogen ist. Eine hohe G-Saite eine Oktave tiefer zu stimmen lässt sie nutzlos gegen die Bünde schlagen, und eine tiefe G-Saite eine Oktave hochzustimmen bringt sie zum Reißen.
Wenn Sie mit tiefer G-Saite spielen, ist unser Low-G-Ukulele-Stimmgerät genau auf diese Stimmung ausgelegt. Und falls Ihr Instrument eine Bariton-Ukulele in D G B E statt G C E A ist, verwenden Sie stattdessen das Bariton-Ukulele-Stimmgerät — keine der oben genannten Bundzahlen gilt dort.
Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung: Ukulelesaiten klingen leise, ihre Flageoletts noch leiser. In einem geräuscharmen Raum sind die Schwebungen zwischen zwei nahen Tonhöhen weit besser zu hören.
Stimmen Sie schrittweise: Drehen Sie die Mechaniken langsam und in kleinen Bewegungen. Nylon reagiert leicht verzögert, weshalb man bei Eile schnell über das Ziel hinausschießt.
Hinweis: Ein Drehen der Mechanik im Uhrzeigersinn lockert die Saite (Tonhöhe sinkt), ein Drehen gegen den Uhrzeigersinn spannt sie (Tonhöhe steigt). Getriebemechaniken und Reibwirbel können sich unterschiedlich verhalten: Drehen Sie zur Probe ein kleines Stück und beobachten Sie, wohin sich die Tonhöhe bewegt, bevor Sie weitermachen.
Kommen Sie immer von unten: Ist eine Saite zu hoch, lassen Sie sie deutlich unter die Tonhöhe ab und ziehen Sie sie wieder herauf. Von unten anzukommen nimmt das Spiel der Mechanik heraus und hält sehr viel besser, als sich von oben herabzutasten.
Rechnen Sie damit, dass neue Saiten wandern: Frisches Nylon dehnt sich über mehrere Tage. Ein neuer Satz kann in einer einzigen Sitzung drei- oder viermal nachgestimmt werden müssen — das ist normal und kein Mangel des Instruments. Jede Saite behutsam vom Griffbrett wegzuziehen beschleunigt den Vorgang.
Kontrollieren Sie mit Akkorden: Wenn alle vier Saiten sitzen, schlagen Sie ein C und ein F an. Einzelne Saiten können für sich akzeptabel klingen, während das Instrument als Ganzes es nicht ist — Akkorde legen das sofort offen. Die leeren Saiten anzuschlagen und ein sauberes „My dog has fleas“ zu hören ist eine schnelle Schlusskontrolle.
Nutzen Sie Online-Werkzeuge: Wenn Sie unsicher sind, überprüfen Sie Ihre Arbeit mit dem Ukulele-Stimmgerät von OnlineTuner.org — vor allem die C-Saite, da alle anderen darauf aufbauen.
| Saite | Ton | Frequenz | So stellen Sie sie nach Gehör ein |
|---|---|---|---|
| 4. | G4 | 392.00 Hz | 3. Bund der E-Saite oder Flageolett am 7. Bund der C-Saite |
| 3. | C4 | 261.63 Hz | Referenzton — diese Saite zuerst stimmen |
| 2. | E4 | 329.63 Hz | 4. Bund der C-Saite (große Terz) |
| 1. | A4 | 440.00 Hz | 5. Bund der E-Saite oder Flageoletts am 5. und 7. Bund |
Eine Ukulele nach Gehör zu stimmen erfordert etwas mehr Nachdenken als eine Gitarre, schlicht weil sich die Intervalle nicht in ein einziges bequemes Muster fügen wollen. Lernen Sie die drei entscheidenden Bünde — den 4., den 5. und den 3. — und das ganze Instrument öffnet sich Ihnen. Mit der Übung hören Sie, dass eine Saite abgewandert ist, noch bevor Sie bewusst wissen, welche es war, und dieser Instinkt ist weit mehr wert als jedes Stimmgerät. Viel Freude beim Stimmen und Spielen! 🎸
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